Ich hab‘ doch nichts zu verbergen…

„Ist doch nichts dabei, wenn ich da meine Daten angebe…“, „Ich muss mich doch eh schon überall registrieren, wenn ich online kaufe…“, „Wenn ich ein Smartphone nutze, haben Facebook, Google und Apple doch sowieso meine Daten…“

In der vergangenen Woche hat ein deutscher Discounter seine Bonus-App vorgestellt und wurde dazu von einigen (wenigen) Datenschützern kritisiert. Der Großteil der Nutzer sieht die Sammelwut dieses Anbieters allerdings ziemlich entspannt. Man habe seine Daten doch vielerorts angegeben und es sei doch nichts dabei, wenn dies an einer anderen Stelle nun halt auch nochmal erfolge.

Sorglosigkeit im Umgang mit eigenen Daten

Diese Sorglosigkeit, ja schon bald schicksalsergebene Haltung, die sich in den o.g. Aussagen offenbart, ist in hohem Maße bedenklich. Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, einer „Geiz ist geil“-Mentalität werden sämtliche Bedenken kritischer Stellen vollständig untergeordnet. Daten gegen kleine Boni: ist doch ein prima Tausch, oder?

Zweifellos ist es richtig, dass in der heutigen digitalen Welt nur noch wenig ohne personenbezogene Daten geht. Bedenklich ist es vielmehr, in welchem Umfang und mit welcher Sorglosigkeit (und zum Teil Ahnungslosigkeit) diese Daten verschiedensten Anbietern zugänglich gemacht werden. Da werden problemlos Angaben zu Namen, Anschrift, Geburtsdatum, Geschlecht, Familienstand, u.ä. gemacht. Ein Hinterfragen, was mit diesen Daten passiert oder an wen diese weitergegeben werden? Fehlanzeige.

Wo liegt das Risiko?

Das augenscheinlich kleinste Risiko besteht sicherlich darin, dass man plötzlich mit Werbung in etlichen Apps seines Smartphones überschüttet wird. Dies erscheint häufig „nur“ nervig, kann die lästige Werbung doch weggeklickt werden. Spannender wird es doch, wenn man bedenkt, wie diese Werbung zustande kommt. Während Werbung als Zeitungsbeilagen eine Streuwerbung darstellen, werden diese Werbeanzeigen exakt auf extrem detaillierte Kundengruppen zugeschnitten (sog. Micro Targeting). Damit wird versucht, Einfluss auf das Verhalten und die Einstellung gegenüber den eigenen Produkten und Dienstleistungen dieser identifizierten Gruppen zu nehmen.

Und je mehr ich als Anbieter über meine Kunden weiß, desto gezielter und effektiver können sie angesprochen werden. „Ist doch prima. So erhalte ich nur die Werbung, die mich auch interessiert.“ Auch das ist sicherlich eine Haltung. Aber was passiert in diesem Moment? Meine Kaufentscheidung für ein Produkt, welche (hoffentlich) auf dem Vergleich mehrerer Kriterien beruht, wird unbewusst eingeschränkt. Ich suche nicht mehr nach Alternativprodukten, die vielleicht günstiger im Preis oder besser in der Qualität sind, sondern greife automatisch zu dem Produkt, dessen Präsenz am stärksten verankert ist.

Nebenbei bemerkt: es ist nicht überraschend, dass diese gezielte Ansprache und Einflussnahme nicht nur im Marketing Anwendung findet, sondern auch zunehmend im politischen Wahlkampf.

Wer hat sonst noch Zugriff?

Unabhängig von diesem leichtfertigen Umgang mit seinen personenbezogenen Daten, stellt sich dem über diese Entwicklung besorgten Datenschützer die Frage, an welche Stellen diese Daten weitergegeben werden. Dass derartige Daten im erhebenden Unternehmen verbleiben, ist illusorisch. Daten kaufen und verkaufen ist ein weltweit florierendes Geschäft. So wirbt beispielsweise ein Data Services Anbieter mit seinem umfangreichen Datenpool, der über 58 Mio. Privatadressen aus Deutschland beinhalten soll – selbstverständlich inklusive Zusatzmerkmalen wie Konsumverhalten, Interessenschwerpunkte und Soziodemographie. Das im Grundgesetz verankerte Recht auf informationelle Selbstbestimmung, also das Recht selbst über Preisgabe UND Verwendung seiner Daten zu bestimmen, wird somit vollständig unterlaufen. Dabei ist allerdings nicht nur die Praxis der Daten-(weiter-)verwendung zu kritisieren, sondern insbesondere auch die Leichtfertigkeit bei Preisgabe seiner Daten.

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